Eine Kaffeeeinladung
Stell dir vor, du bist mit deiner Freundin in der Stadt. Du hast noch einige Dinge zu erledigen, da schlägt deine Freundin vor: "Lass uns doch hier eine Pause machen und einen Kaffee trinken!". Wie reagierst du? "Du Monster, du willst doch nur, dass ich tue, was du willst, na warte, dir werde ichs zeigen!" Wahrscheinlich wird das nicht die Antwort für deine Freundin sein. Leider ist es die Antwort, die viele Pferde nach wie vor bekommen, wenn sie, z.B. beim Spazierengehen, einen Vorschlag machen.
Die Idee, ein Pferd sei dominant, es wolle uns seine Meinung aufzwingen, es wolle die Führung übernehmen und letztlich uns, seinen Menschen, am besten gleich mit Haus und Hof, dominieren, ist weit verbreitet. Und das, obwohl die Dominanztheorie im Verhaltenstraining mittlerweile seit Jahrzehnten widerlegt und Schnee von gestern ist.
EIn Bedürfnisorientierter Umgang ist so viel wohlwollender, friedvoller und letztlich hilfreicher für alle Beteiligten. Und das heißt nicht, dass du die Bedürfnisse des Pferdes zählen, auch die des Menschen sind wichtig.
Bei meiner Freundin und ihrer Kaffeeeinladung fallen mir verschiedene Antworten ein:
*Oh ja, gleich hier?
* Gerne, aber lass uns erst noch das mit den Schuhen erledigen, ok?
* Ohja, aber ich kenne ein besseres Cafe, komm lass uns dahin gehen.
* Heute wirds mir zeitlich eng, nächstes Mal wieder, ok?
Und wie sieht das mit deinem Pferd aus? Wenn dein Pferd sagt "Lass uns eine Pause machen, hier ist das Gras so grün", was kannst du dann antworten:
* Ohja, gleich hier?
* Gerne, aber lass uns erst noch ein bisschen bewegen und mal traben, das steht heute auch unserer To-Do-Liste und ist mir wichtig für deine Gesundheit.
* Ohja, aber ich kenne eine bessere Grasstelle, ohne Straße daneben, komm lass uns dahin gehen.
* Heute wirds mir zeitlich eng, nächstes Mal wieder, ok?
Probier doch mal aus, die Anfrage deines Pferdes bedürfnisortientiert zu sehen. Und probier aus, eine bedürfnisorientierte Antwort zu finden. Ich wette mit dir: allein deine innere Haltung, bedürfnisorientiert an die Sache heranzugehen, wird einen Unterschied machen. Im besten Fall habt ihr beide mehr Spaß!
Und wenn du dann noch ein bestimmtes Verhalten von deinem brauchst, um besser in die Umsetzunmg zu kommen: das kannst du belohnunsbasiert trainieren. Wenn dein Pferd erstmal raushat, dass seine Bedürfnisse gesehen und erfüllt werden und wenn sich das Mitmachen bei deinen Ideen lohnt, habt ihr vermutlich etliche Konflikte weniger.