Pferdeverhalten kompakt: Stress-Typen
Um den Umgang und das Training mit deinem Pferd gut zu meistern, ist es gut, die veschiedenen Stresstypen auf dem Schirm zu haben, den Pferde zeigen ihren Stress sehr unterschiedlich.
Der aktive Stress-Typ
Der aktive Stresstyp zeigt seinen Stress sehr deutlich in seiner Körpersprache. Er wird hibbelig, bewegt sich viel, reißt den Kopf hoch, trägt den Schweiß sehr hoch und hat eine deutliche Mimik an Augen und Nüstern. Diesen Stress-Typ findet ihr oft bei hoch im Blut stehenden Pferden wie Vollblütern, Arabern oder ähnliches. Schon aus großer Entfernung und auch für den Laien ist erkennbar, dass dieses Pferd gerade Stress hat.
Der passive Stress-Typ
Pferde vom passiven Stresstyp werden dagegen bei Stress immer langsamer und zäher. Sie zeigen ihren Stress in minimaler Mimik: ein leichtes Kräuseln der Nüstern oder ein hochgezogenes Auge können Stress-Stufe dunkelrot bedeuten. Die Tiere frieren ein, bleiben stehen und reagieren oft nicht mehr auf Signale oder Kommandos. Diesen Stresstyp findet man oft bei den verschiedenen Ponyrassen wie Isländer, Shettys, Norweger, Tinker oder Haflingern oder auch bei Kaltblütern.
Stressverhalten von Pferden des passiven Stresstyps wird oft falsch interpretiert und als Widersetzlichgkeit, "Dickkopf" oder Unwillen interpretiert. Oftmals nehmen Menschen die minimale Stressmimik dieser Pferde gar nicht wahr.
Das Problem am Ende des Tages ist: Das Pferd hat Stress, der Mensch interpretiert das langsamer Werden als Widersetzlichkeit, macht mehr Druck - und erhöht damit den Stress für das Pferd. Überraschung: davon wirds in der Regel nicht besser. Und das Ende der Druckspirale kann sogar richtig gefährlich werden: denn auch Pferde vom passiven Stresstyp können explodieren, wenn sie lange genug geschluckt haben. Diese Explosionen fallen dann oft heftig aus und kommen für viele Menschen aus heiterem Himmel: "Der war doch immer so gechillt, komsich!"
Deshalb mein großes Plädoyer: Schaut genau hin, ob ein Pferd wirklich, wirklich entspannt ist, oder ob es ein passiver Stress-Typ ist, der seinen Stress nicht so deutlich zeigt.